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MCI/MC Madonnina dei Centauri - Madonna der Zentauren....

......der Name klingt schon verd..... heilig. Vor allem dann, wenn man ihn mit einem Motorradclub in Verbindung bringen möchte, und genau das ist angesagt.

Das lag auch in der Absicht des Herrn Dr. Marco Re, als er 1934 im malerischen Castellazzo Bormida, nahe der Stadt Alessandria im östlichen Piermont gelegen, die Muttervereinigung des MCI/MC ins Leben rief. Damals hatte der religiöse Hintergrund sicher einen anderen Stellenwerte als heute, wir stehen kurz vor dem Jahr 2000 und die Kirche hat so ihre Nöte. Aber ich habe immer wieder auch Biker der ganz harten Sorte gesehen, die sich während des Gottesdienstes in Castelazzo Bormida voller Andacht hinten angestellt, ihre Kappe gelupft und der feierlichen Zeremonie gelauscht haben. Im gleichen Moment herrscht vor der Kirche fast hektische Betriebsamkeit, denn während des Gottesdienstes treffen Tausende von Motorradfahrern aus aller Herren Länder ein, um sich für den anschließenden Korso nach Alessandria einen guten Platz zu sichern. Während drinnen die Orgel die Segnung der für Ihre Länder stellvertretend eingefahrenen Motorräder nebst Fahrer einleitet, versuchen die draußen Wartenden gemeinsam die komplette Tonleiter der 2- und 4-Takt- Motoren in Harmonie zu bringen. Und während der Bischof die Bouquets der Ehrendamen entgegennimmt, geht vor den Türen des imposanten Kirchengebäudes der Bär ab.................

..............dabei fing alles so ruhig an, damals im Jahre 1934.

Herr Dr. Re war nicht nur ein ehrgeiziger Apotheker, sondern auch ambitionierter Motorradfahrer. Er war beseelt von dem Gedanken, die italienische Motorradgemeinde unter einen Hut zu bringen. Da alle richtigen Italiener zum Gelingen Ihrer Vorhaben eine Madonna zu Ihrem Schutz benötigen, wollte auch Dr. Re nicht auf einen Schutzheiligen verzichten. Der in Castellazzo ansässige Club wählte die "Madonna della Creta" zu Ihrer Schutzbefohlenen. Nach kurzer Zeit sagte man ihr bereits viele Heilungen von verunfallten Motorradfahrern nach. Dr. Re organisierte viele Motorradclubs im ganzen Land. Sie alle waren begeistert von der Idee, ihre "Madonna die Centauri" in einem feierlichen Akt auch offiziell zu küren. Es begannen die Wirren des Krieges, Dr. Re empfand die von oben befohlenen Feindseligkeiten zwischen Menschen, welche sich in Friedenszeiten als Freunde bezeichneten, als äußerst brutal. Der Krieg hatte tiefe Gräben in die Beziehungen zu den Nachbarn gezogen. Dr. Re sah es als seine ureigenste Pflicht, alles was im Rahmen seiner Möglichkeiten stand zu unternehmen, diese teilweise ab-grundtiefen Barrieren zu überwinden. 1943 nahm er seine Pläne wieder auf, seine Fiktion war jetzt die friedliche Vereinigung aller Motorradfahrer, ungeachtet der Herkunft, der Nation und des Glaubens. Trotz der schlechten Zeiten in den letzten Kriegsjahren konnten ausreichend Spenden für das Vorhaben gesammelt werden, die tiefe Religiosität des italienischen Volkes hat sicherlich einiges zu den damali- gen Erfolgen beigetragen. So schrieb der Herausgeber der "La moto", Segnore Italo Luraschiin in der am 15. Dezember 1943 erschienenen Ausgabe über das geplante jährliche Treffen, welches der Schutzpatronin der modernen Zentauren gewidmet ist. Er vergleicht dabei die Motorradfahrer mit den Kreuzrittern. Auch sie haben sich vor dem Beginn Ihrer Kreuzzüge den Segen Gottes geholt, um die bevorstehenden Gefahren abzuwenden.

Am 16. Januar 1946 war es dann endlich so weit. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie wurden erstmals die versammelten Motorradfahrer im Wallfahrtsort Castellazzo Bormida dem Schutz der dort verehrten Madonna della Creta unterstellt. Damals noch auf Club Ebene, war als öffentlicher Orator Don Carlo Torriani bestellt. Er gab die Ziele des Moto Club von Castellazzo nicht nur hinsichtlich ihrer sport-lichen Absichten, sondern auch bezüglich Ihrer Gläubigkeit bekannt. Don Carlo Torriani hat sich bis ins hohe Alter, immer selbst auf dem Motorrad unterwegs, an den Treffen beteiligt. 1998 verstarb "Don Carlo", er hat sich bis ins hohe Alter für die Bewegung auf internationaler Ebene eingesetzt.

Nachdem das Radio und internationale Zeitschriften das Geschehen im eigenen Land weitreichend verbreitet hatten, nahm Dr. Re 1946 an einem Motorradtreffen in Norditalien teil, bei welchem nicht nur entscheidende Kontakte zustande kamen. Auch der jährliche Rhythmus der Treffen in Castelazzo Bormida wurde festgelegt. Der Durchbruch war geschafft. Tausende italienische Motorradfahrer und viele Hundert aus der Schweiz und Frankreich waren mobilisiert. Am 11. Februar 1947 weihte Papst Pius XII in einem Pontifikalamt die "Madonna della Creta" zur "Madonna die Centauri, der Schutzheili-gen der Motorradfahrer. Von da ab gings bergauf. 1946 trug sich die Sektion Schweiz unter der Führung von Etienne Thalmann ein, bereits 1947 stieß die französische Sektion hinzu. 1949 folgte Belgien und im Jahr 1997 kam Spanien dazu. Die Geschichte nahm Ausmaße an, von denen man in Castelazzo nicht geträumt hatte. Bald mußte die Veranstaltung, welche ab 1946 jährlich stattfand, nach Alessandria verlegt werden, geistige Hauptstadt blieb jedoch Castellazzo Bormida.

Nur weil Deutschland keine eingetragene Sektion hatte, heißt das noch lange nicht, daß die Philosophie dieser Treffen den Weg über die Alpen nicht geschafft hätte. Allerdings läßt sich aus eben diesen Gründen, es gab bisher keine offizielle deutsche Sektion, nur von Überlieferungen berichten. So wissen wir von Hans Pirschel, einem unserer Veteranen, daß er bereits in den 50igern in Castellazzo dabei war. 1972 hat sich dann eine inoffizielle Sektion unter der Führung von Herrn Matlatschek gebildet. Im Sinne der internationalen Gepflogenheiten nahm er das Amt des Präsidenten war, eine konstituierende Mitgliederversammlung gab es allerdings nicht. In den 80igern übernahm Elmar Walter dieses Amt. So war gewährleistet, daß alljährlich eine "Sektion Deutschland" gemeldet war, auch wenn diese keinen offiziellen Status hatte.

Als die Region Alessandria im Spätjahr 1994 von einer großen Überschwemmung heimgesucht wurde, war es der Initiative von Hans Pirschel zu verdanken, daß die "Sektion Deutschland" im Rahmen ihrer Möglichkeiten Hilfestellung leistete. Auf seine Idee hin organisierten Elmar Walter, Josef Hübschle und Hans mit ein paar weiteren Helfern eine Spendenaktion , welche viele MCI/MC `ler mit großem Enthusiasmus unterstützten. Es konnten nicht nur Geld- und Sachspenden überbracht werden. Elmar Walter, Sammler von Old Timern aus Leidenschaft, stellte sich und seinen geländetauglichen Zil für eine Hilfsaktion zur Verfügung. Die Sektion Deutschland sorgte auf diese Weise für einen bleibenden Eindruck in der Region.

Es gibt uns also, und seit dem 16.03.1999 sogar ganz offiziell. Der MCI/MC, Sektion Deutschland e.V. ist eingetragener Verein geworden. Der Tradition folgend, hat auch die deutsche Sektion die Pflege der Freundschaft der Motorradfahrer im Land, aber auch über die Grenzen hinaus zum Ziel. Bereits jetzt bestehen Gruppen in Unterfranken, München, dem Allgaü und dem südlichen Schwarzwald. Ideal wären natürlich Mitglieder im ganzen Bundesgebiet, damit diese Philosophie so richtig zum Tragen kommen kann.

Aber: Kommt nach Alessandria, denn einmal Alessandria, immer Alessandria. Dort hat sich seit den Anfängen einiges verändert. Beim 50igsten Treffen, 1995, hat man von 15.000 Motorradfahrern gesprochen. Das ganze gleicht einem großen Fest. Schon die Eintragung, welche am Vortag der eigentlichen Veranstaltung an der Piazza Garibaldi in Alessandria stattfindet, ist eine Augenweide. Von Norwegen bis Spanien beteiligen sichMotorradfahrer, um sich für die große Sternfahrt einzutragen. Es herrscht ein Treiben, welches man so nur in Italien erleben kann: Jahrmarkt, gepaart mit dem typischen italienischen Ambiente. In allen Straßen und Gassen zeigen die Bürger Flagge, mit einer nicht vergleichbaren Gastfreundschaft werden die Motorradfahrer aufgenommen. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß die Piermonteser stolz darauf sind, Gastgeber bei diesem Treffen sein zu können.

Was man erlebt ist eine neue, unbekannte Dimension an Gastfreundschaft, gerade für uns Biker. Die für Italien typische und hinlänglich bekannte "ospitalita" scheint sich im Wettbewerb zu befinden.

Der offizielle Teil des Treffens beginnt am Samstagabend mit dem Empfang durch die Honoratioren, und die sind nicht von Pappe. So wird der Biker unter anderem von Monsegnore Fernando Charrier, dem Bischof der Region Alessandria / Piermont, Signore Vincenzo Gallitto, dem Prefetto di Alessandria, Signore Fabrizio Palenzona, dem Präsidenten der Administration der Provinz Alessandria (Landrat), Signora Francesca Calvo, der Bürgermeisterin von Alessandria, Signore Gianfranco Ferraris, dem Bürgermeister von Castelazzo und vielen anderen hochrangigen Vertretern von Polizei, Administration, Kirche und Vereinswelt empfangen und begrüßt. Am gleichen Abend folgt ein weiterer Empfang in Castellazzo Bormida, dort legt man großen Wert auf die Feststellung, daß der Ursprung dieser Bewegung von einem Einheimischen stammt, von Dr. Re. Der Abend hat dann für jeden etwas zu bieten, entweder ein Rock Konzert unter freiem Himmel, oder Folklore im entsprechenden Rahmen des alten Ortskernes von Castellazzo. Und es ist das Fest der Bevölkerung, sie wollen mit Ihren Gästen feiern und sind dazu auf den Straßen, von jung bis alt. Es herrscht eine Art Ausnahmezustand, alles ist in der lauen Abendstimmung auf den Beinen und feiert die Invasion der Biker.

Man muß zugeben, es gibt viele Bikerfeste, bei den meisten sind wir Freaks unter uns. Eins wie das andere, kein großes Problem mal eines auszulassen. Fragt da einer, wo unser Image herkommt? In Alessandria mußte man anfangen, umzudenken. Am Sonntag folgt der Höhepunkt.

Der jeweilige Vertreter der einzelnen Ländersektionen, der "primo centauro", fährt mit seinem Motorrad in den Altarraum der Kirche von Castellazzo Bormida, "Sanct Ugo Canefri". Zur Seite steht ihm eine Ehrenjungfrau, geschmückt mit einer Schärpe und einem riesigen Bouquet Gladiolen. Die Zeremonie ist unheimlich feierlich, auch wenn der Rundgang im rechten Flügel der Kirche eher betroffen macht. Denn dort haben trauernde Hinterbliebene von verunglückten Motorradfahrern Andenken mit Bildern von den Verstorbenen zurückgelassen. Wer sich das mal verinnerlicht hat, wird sich Gedanken über das Fahren im roten Be-reich machen, es bleibt jedesmal ein fader Geschmack. Der verfliegt aber schnell, hat man den Gottesdienst mit den Fürbitten für alle Biker hinter sich.

Bischof Fernando Charrier weiß um die Interessen seiner motorradfahrenden Schäfchen und macht es nicht all zu lang. Unter südlicher Sonne hat sich während der Messe ein unübersehbarer Pulk von Bikern auf der Ausfallstraße in Richtung Ales-sandria versammelt. Die Balkone der geschmückten Häuser sind von Zuschauern mit Fähnchen in den Landesfarben besetzt, jede Gartenmauer ist von schaulustigen Menschen eingenommen. Unsere Gastgeber bereiten sich auf das größte Spektakel des Jahres vor, den Korso zur Piazza Garibaldi in Alessandria. Es gibt keine Zahlen über die Zuschauermengen, aber soviel ist sicher, der ca. 8km lange Weg ist dicht gesäumt von vielen Tausend Menschen. Sie bejubeln die vorbeifahrenden Motorräder, als wären sie hohe Abgeordnete, geschickt von all den vertretenen Ländern. Und eigentlich sind sie es ja auch, Vertreter der Länder, aus welchen sie zu Besuch sind. Man muß es erlebt haben. Höhepunkt des Korso ist die Abnahme der Parade. Man fährt an einer Tribüne vorbei, auf welcher die politischen und geistlichen Honoratioren Platz genommen haben, sie bedanken sich für die Ehre des Besuchs.

Am Sonntagnachmittag ist Rummel angesagt, der Stadtpark, welcher auch Ziel des Korso ist, lädt ein zum Ruhen, Feiern oder Fachsimpeln mit anderen Bikern. So manche internationale Freundschaft wurde hier begründet, während die Organisatoren der Veranstaltung Punkte und Pokale verteilen. Der Abend gehört den Motorradfahrern. Die vielen Restaurants und Enothekas warten auf den Besuch der international bunten Gäste. Die Campingplätze in Castellazzo und Marengo sind ebenfalls auf die Bewirtung der Gäste eingestellt. Und wenn sich dann der Montagmorgen nähert, die letzten Gläschen "Roter" getrunken sind, erzählt sich so manche Bikergeschichte wie am Lagerfeuer, Abenteuer machen die Runde.

Eines ist sicher: jeder der mal da war, wird immer wieder davon erzählen: Alessandria, einmal und immer wieder. Man hat ein Wochenende erlebt, bei welchem der Biker nicht nur willkommen, sondern gar erwünscht war und gefeiert wurde. Aber wirklich, nicht nur so dahergesagt. Der Ehrgeiz, mit dem sich die Gastgeber um uns kümmern, ist ohne Beispiel. Man kann dem nur mit dem entsprechenden Respekt begegnen.

Alles in allem dreht es sich beim MCI/MC wahrscheinlich nicht nur um einen der traditionellsten Motorradclubs in Europa, welcher sich internationale Begegnung und Freundschaft zum Ziel gesetzt hat.

Kurz und schlicht, es pfunzt................ !

 

 

Dr. Reh

Plakat um 1940

Papst Pius ernennt die Madonnina della Kreta im Jahre 1946 zu der Schutzheilegen der Motorrad-fahrer.

In den 50'igern

Ausstellungsstück im Westflügel

Historisches Plakat

Die Schweizer Delegation

Roller gehören schon immer zum italienischen Straßenbild

Glücksbringer tragen in Italien die gleichen Namen

Auch die Ehrenjungfrauen haben nie gefehlt

Treffen der 40'iger in den 70'igern

© Wolfgang Hofmann 11.08.2000

© Wolfgang Hofmann20.08.2000