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Hilfsaktion 1994 / 95

 

 

Dezember 1994

Lang anhaltende Regenfälle führten im Herbst 1994 zu schweren Überschwemmungen im Raum Alessandria. Sowohl der Tanaro als auch der Marengo haben nach stetigem Steigen des Pegels bei einem Wert von mehreren Metern über Normal ihr Flußbett verlassen und sind über die Ufer getreten. Wasser und Schlamm verursachten große Schäden in der Region.

Straßen wurden überflutet, in den Häusern stand der Schlamm teilweise bis in den ersten Stock. Viele Menschen waren plötzlich ohne Bleibe, Nahrungsmittel, Kleidung und Mobiliar zerstört. Die Natur hatte einmal mehr zurückgeschlagen und deutlich gemacht, dass der Mensch gegen derartige Urgewalten nur sehr wenig Möglichkeiten des Schutzes hat.

Wer Alessandria von den Besuchen zum "raduno" kennt kann sich nicht vorstellen, welches Ausmaß die Verwüstung durch die Flutkatastrophe angenommen hatte. Ein Bild des Elends und der Ohnmacht.

Da hatten Hans Pirschel und Elmar Walter, dem damaligen "Präsidenten" (*1) der deutschen Sektion, eine Vision. Seit den 60'igern hatten er und viele andere die Gastfreundschaft in Alessandria genossen. Immer wenn es im Juli zum "raduno di centauri" ging waren Freundschaft und Spaß vorgegeben. Grund genug gemeinsam mit der deutschen Sektion zur Abwechslung einmal mit Hilfe nach Italien zu kommen. Es faßte sich spontan ein Plan. Man organisierte sehr schnell die zu einer Hilfsaktion notwendigen Dinge, nämlich Decken, Kleidung, Lebensmittel und Geld. Viele Mitglieder spendeten spontan, hielten Freunde und Bekannte an, sich doch auch an dieser wichtigen Sache zu beteiligen. So kam in der kürze der Zeit, Eile war geboten, einiges an Sach- und Geldspenden zusammen.

Elmar Walter wollte nicht nur pekuniäre Hilfe leisten, lange schon hat er auf die Möglichkeit gewartet seinen Zil 131, ein russisches Armeefahrzeug, entsprechend dessen Möglichkeiten zum Einsatz zu bringen. Beladen mit 2 Tonnen Hilfsgütern, darunter auch für 2.500 .--DM gekaufte Ware, machten sich Elmar Walter und Hans Pirschel am 1.12.1994 auf den Weg nach Alessandria. Mit weiteren 2,5 Tonnen Hilfsgütern aus der Sammelaktion waren Tanja und Martin Karollus aus Oberteuringen mit einem Ford Transit mit Tandem Anhänger unterwegs nach Italien. Auch Ingo und Carola Mahler aus Bermatingen hatten sich mit ihrem Opel Omega und einem Anhänger auf den Weg gemacht. In der eigens zu diesem Zweck geschaffenen Verteilstation in Alessandria konnten die Spenden übergeben werden.

Hans Pirschel und Elmar Walter machten sich mit sehr großem Einsatz an die Arbeit. Weggeschwemmte Fahrzeuge konnten dank der hohen Geländegängigkeit des Zil geborgen werden. Während der Arbeitseinsätze konnten Hans und Elmar unter den Fittichen von "Mama" Angela Ferraris kostenfrei und bestens versorgt im Asylo in Castellazzo Bormida wohnen. Dort hat man dann auch im Kreise anderer Helfer Nikolaus gefeiert.

Frau Dottoressa Calvo, ihres Zeichens Bürgermeisterin von Alessandria übermittelte ihren Dank, auch im Namen aller Betroffener. Mit dieser Hilfe hatte niemand gerechnet.

Mit einer zweiten Aktion, sind am 14.02.1995 erneut Hilfsgüter nach Italien gebracht worden. In einem geliehenen LKW konnten 6,5 Tonnen Möbel, Öfen, Elektrogeräte, Bekleidung, Schuhe und vieles mehr an einer Pfarrgemeinde Alessandrias abgegeben werden, welche dann die weitere Verteilung übernahm.

An dieser Stelle sei allen, welche zum Gelingen der Aktion " Hilfe für die Unwetterkatastrophe in Alessandria" beigetragen haben, herzlichst gedankt.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich in diesem Bericht aber auch die Kritik, welche aus vielen Quellen im Zusammenhang mit der Spendenaktion an mich herangetragen wurde. Diese beklagten die "Selbstprofilierung des Elmar Walter" und führten bis hin zum Austritt einzelner Mitglieder wegen "Erpressungen" bei der "Spendeneintreibung", auch Hans Pirschel wollte nach der ganzen Aktion nicht mehr all zu viel mit der deutschen Sektion des MC - MCI zu tun haben. Andere berichteten von Sammlungen in ihrem Bekanntenkreis, welche dann von Elmar Walter ignoriert wurden. Er selbst schrieb in diversen Rundschreiben von einigen Ausschlüssen (etwa 10 - die Spreu teilt sich vom Weizen (markige Sprüche)), eventuell waren da jedoch auch Austritte dabei.

Auch ich kann die ganze Aktion nicht ohne ein gerüttelt Maß an Kritik belassen. Nie wurden die Spendeneingänge exakt belegt und mit den Aufwendungen und Ausgaben verrechnet. Nie wurde ein buchhalterisches Fazit gezogen.

Wie dem auch sei, sicher ist nicht alles korrekt über die Bühne gegangen, sicher hätte manches manches besser und effizienter umsetzen können. Mit entsprechender Basisarbeit hätte eventuell auch viel gezielter geholfen werden können, aber wer hat sich tatsächlich die Zeit genommen und tatkräftig mitgeholfen? Lediglich zwei Leute haben die ganze organisatorische Arbeit gemeistert. Wo gearbeitet wird werden nun auch mal Fehler gemacht und wo viel gearbeitet wird, sind eben auch so manche Fehler möglich. Nachher ist man immer klüger.

Sicher war es nicht immer so ganz einfach mit unserem Patriarchen, teilweise manches überhaupt nicht möglich. Vieles ist im nachhinein nicht in Ordnung gewesen, aber der große Einsatz und der ehrliche Wille, den Betroffenen in Alessandria zu helfen, bleibt bestehen.

Allen, welche 1995 am Korso von Castellazzo Bormida nach Alessandria teilgenommen haben, bleibt der ungeheuer große Jubel in Erinnerung, mit dem die italienischen Zuschauer die teilnehmenden deutschen Motorräder im Konvoi begrüßt haben. Oder der ehrlich gemeinte, herzliche Applaus, der beim Empfang durch die Honoratioren der Region nach einem erneuten "Dankeschön" an unseren Club für Minuten durch den Saal ging.

Kommt man heute nach Alessandria in die damals betroffenen Quartiere, sieht man nicht mehr viel von der Katastrophe, welche die Stadt 1994 heimgesucht hat. Aber so manche Fassade trägt noch deutliche die Marke, welche der Höchststand des Wassers gezeichnet hatte.

Unvorstellbar.

Das Leben in Alessandria geht längst wieder seinen gewohnten Gang.

 

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© Wolfgang Hofmann / 27 März, 2010